Sieben Stunden bis Alatri

 

Er hatte im Lauf der Jahre schon einige Tote gesehen und jedes Mal war er tief betroffen, aber so ein Blutbad wie in diesem Fall schlug ihm regelrecht auf seinen empfindlichen, von einer chronischen Gastritis geplagten Magen, die sich in diesem Moment wieder mit einem unangenehmen saueren Aufstoßen bemerkbar machte. Seine Kehle brannte und fühlte sich an, als hätte er Säure verschluckt. Das Opfer musste sich mit aller Kraft gewehrt haben, dachte er, weshalb sonst hatte man es so zugerichtet?

   Bevor er, von einer aufkommenden Übelkeit geplagt, das Haus verließ, begutachtete er noch das Türschloss. Keine Spuren, genau wie im Haus. Nichts deutete auf ein gewaltsames Eindringen hin. Fanelli beschäftigte die Frage, wie die Männer ins Haus gekommen waren. Waren sie womöglich im Besitz eines Schlüssels gewesen?

   Der Regen hatte den Kiesweg inzwischen in eine riesige Pfütze verwandelt. Gleich der Fontäne eines Springbrunnens spritze das Wasser bei jedem seiner Schritte in alle vier Himmelsrichtungen davon und verschaffte ihm zu allem Übel auch noch nasse Füße. Hoffentlich bekam er keine Erkältung, die konnte er jetzt auf keinen Fall gebrauchen. Der Wind, der durch die Wipfel der Bäume blies, verursachte ein geheimnisvolles Flüstern, als wollte er ihm etwas mitteilen. Er setzte sich in den Polizeiwagen und wartete auf Rizzo. Das rundum blinkende Blaulicht verwandelte den vom Regen getränkten Garten in eine seltsam, grotesk anmutende Szenerie. Durch die regennasse Scheibe erschienen ihm die Olivenbäume mit ihren ausgebreiteten Ästen, wie eine bedrohliche Armee von feindlichen Soldaten, die sich zum Angriff formiert hatte. Der Himmel hatte noch immer seine Schleusen geöffnet, als wollte er dem ausgetrockneten Boden all das zurückgeben, auf das er während des heißen Sommers hatte verzichten müssen. Rizzo unterhielt sich vor dem Haus wild gestikulierend mit einem der Carabinieri, den er zu kennen schien.

   »Lassen Sie uns fahren, Rizzo. Ich habe genug für den Augenblick«, rief Fanelli lautstark und etwas ungehalten durch das heruntergelassene Fenster. Rizzo gab ihm ein Handzeichen, dass er verstanden hatte und eilte zum Wagen.